Im Zentrum dieses Romans steht die Frauenbewegung der 1970er Jahre in Heidelberg – und die Frage, was aus den Idealen von damals geworden ist. Erzählt wird auf zwei Zeitebenen: in den 70ern, mitten im politischen und persönlichen Aufbruch, und im Jahr 2018, in dem die Vergangenheit wieder aufbricht.
Verbindendes Element ist ein Kriminalfall, in den die Protagonistin verwickelt ist. Dieser sorgt nicht nur für Spannung – und davon gibt es wirklich reichlich –, sondern wirft auch grundlegende Fragen auf: nach Schuld, nach Verantwortung und danach, wie wir im Laufe unseres Lebens damit umgehen. Besonders stark fand ich, dass diese Aspekte nicht plakativ behandelt werden, sondern sich nach und nach entfalten.
Gleichzeitig ist das Buch auch eine Geschichte über Freundschaft – über Nähe, Brüche und darüber, ob und wie Vergebung möglich ist. Gerade im Rückblick auf die gemeinsame Vergangenheit der Frauen entsteht hier eine emotionale Tiefe, die mich sehr angesprochen hat.
Die Charaktere sind vielschichtig und glaubwürdig gezeichnet. Besonders spannend ist der Blick darauf, was aus den Frauen von damals geworden ist – wie sich Lebenswege entwickeln, verändern oder auch an früheren Entscheidungen festhängen.
Nebenbei habe ich viel über die Frauenbewegung in Heidelberg gelernt, ohne dass es jemals belehrend wirkt. Der Roman verbindet persönliche Geschichten mit einem historischen Kontext auf eine sehr zugängliche Weise.
Ein spannendes und zugleich nachdenkliches Buch, das mich nicht nur gut unterhalten, sondern auch länger beschäftigt hat – und das ich gerne weiterempfehle.
Wer mehr zum Thema Frauenbuchläden/feministische Buchläden wissen möchte, findet hier weitere Infos.
Margret Schepers
Titel: … und wir träumten vom Matriarchat
Verlag: Kurpfälzischer Verlag
Erscheinungsjahr: 2026
Seitenzahl: 304
ISBN: 978-3-910886-17-9
22 Euro



