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Birgit Palzkill, Nicht binär leben

In dieser Rezension erfährst du, worum es in „Nicht binär leben“ von Birgit Palzkill geht, für wen das Buch geeignet ist und ob sich das Lesen lohnt.
Das erzählende Sachbuch gibt persönliche Einblicke in das Leben nicht binärer Menschen und zeigt Chancen sowie Herausforderungen jenseits des binären Geschlechtersystems.

Worum geht es im Buch?

Was bedeutet es, wenn Mensch nicht in das klassische binäre Geschlechtersystem passt? Genau dieser Frage geht „Nicht binär leben“ nach. Dafür hat Birgit Palzkill 17 nicht binäre Menschen im Alter zwischen 20 und 70 Jahren interviewt. Diese erzählen in ihren sehr persönlichen Berichten

  • von ihrem oft langen Weg zur eigenen Geschlechtsidentität,
  • von ihren inneren Konflikten und gesellschaftlichen Erwartungen und
  • von der Befreiung, sich nicht mehr in feste Kategorien einordnen zu müssen.

Das Buch zeigt, wie unterschiedlich nicht binäre Lebensrealitäten sein können und macht deutlich, dass Geschlechtsidentität weit über das cis-normative System hinausgeht?

Meine Bewertung

„Nicht binär leben“ ist ein einfühlsames und zugleich aufklärendes Sachbuch, das zum Nachdenken und Nachspüren anregt.

Besonders gelungen sind meiner Meinung nach:

  • die offenen und ehrlichen Erfahrungsberichte,
  • die respektvolle und unaufdringliche Interviewführung sowie
  • die Vielfalt der dargestellten Perspektiven.

Gut fand ich, dass das Buch nicht nur die positiven Seiten eines nicht binären Lebens beleuchtet, sondern auch:

  • Unsicherheiten,
  • Zweifel und
  • gesellschaftliche Herausforderungen.

Gerade diese ehrliche Darstellung macht das Buch für mich so glaubwürdig und relevant.

Für wen ist das Buch geeignet?

Dieses Buch ist besonders empfehlenswert für:

  • Menschen, die sich mit Geschlechtsidentität beschäftigen
  • Lesernde, die nicht binäre Lebensweisen besser verstehen möchten
  • nicht binäre Personen oder Menschen auf der Suche nach ihrer Identität

Darüber hinaus eignet es sich sehr gut für:

  • Lehrende und pädagogische Fachkräfte
  • Eltern und
  • alle, die einen respektvollen und informierten Umgang mit Geschlechtervielfalt entwickeln möchten

Lohnt sich „Nicht binär leben“ ? Mein Fazit

Das Buch ist für mich eines der wichtigsten, die ich 2024 gelesen habe. Mich hat es durch

  • eine einfühlsame Darstellung
  • authentische Stimmen und
  • seine gesellschaftliche Relevanz überzeugt.

Das Buch trägt meiner Meinung nach dazu bei, Verständnis für nicht binäre Lebensweisen zu fördern und regt dazu an, eigene Denkmuster zu hinterfragen.

Wenn du dich fragst, was nicht binär leben bedeutet, findest du hier eine einfache Erklärung.

Schreibende Person: Birgit Palzkill

Titel: Nicht binär leben

Verlag: w_orten & meer

Erscheinungsjahr: 2024

Seiten: 240

ISBN: 978-3-945644-46-1

Preis: 15 €

Mely Kiyak, Frausein

Rezension zu Frausein von Mely Kiyak: Ein vielschichtiges Buch über Identität und Herkunft

Kurz gesagt

„Frausein“ von Mely Kiyak ist eine dichte, persönliche Erzählung über das Aufwachsen zwischen unterschiedlichen Erwartungen – und über den Versuch, eine eigene Vorstellung von Frausein zu entwickeln. Dieses Buch hat mich länger und nachhaltiger beschäftigt, als ich beim Lesen erwartet hatte.

Das Buch wurde 2021 mit dem Literaturpreis der BücherFrauen „Christine“ ausgezeichnet, der mit 10.000 € dotiert ist.


Worum geht es in „Frausein“?

In diesem schmalen Buch erzählt Mely Kiyak von ihrer Kindheit und Jugend, von familiären Prägungen und gesellschaftlichen Erwartungen.

Es geht um:

  • Erziehung, die von Demut und Anpassung geprägt ist
  • prägende Gespräche mit dem Vater
  • eine Auflehnung, die spät beginnt und tastend bleibt
  • das Leben zwischen Deutschland und der Türkei
  • Erfahrungen der sogenannten Gastarbeitergeneration und ihrer Kinder

Viele dieser Themen tauchen eher beiläufig auf und entfalten gerade dadurch ihre Wirkung.


Meine Bewertung

Beim Lesen hat mich vor allem die Dichte des Textes beeindruckt. Auf wenigen Seiten entsteht ein vielschichtiges Bild von Kindheit, Herkunft und Frausein.

Die Sprache ist klar und präzise, oft fast zurückhaltend. Gleichzeitig steckt in vielen Sätzen eine große Genauigkeit, die nachwirkt. Immer wieder entstehen Momente, die innehalten lassen, ohne sich in den Vordergrund zu drängen.

Besonders eindrücklich ist, wie selbstverständlich große Themen verhandelt werden:

  • die Entdeckung des eigenen Körpers
  • Erfahrungen mit sexueller Belästigung
  • Erwartungen an weibliches Verhalten
  • familiäre und gesellschaftliche Zuschreibungen

Dabei geht es nicht um allgemeine Aussagen oder theoretische Überlegungen. Der Text bleibt konsequent bei den eigenen Erfahrungen.

Gerade das macht die Erzählung so stark. Es entsteht kein Anspruch auf Allgemeingültigkeit, sondern eine sehr persönliche Spurensuche.


Für wen ist das Buch geeignet?

„Frausein“ eignet sich für:

  • Leser:innen, die sich für Fragen von Identität und Herkunft interessieren
  • Menschen, die literarische, autobiografisch geprägte Texte schätzen
  • alle, die sich mit gesellschaftlichen Erwartungen an Geschlecht auseinandersetzen möchten

Lohnt sich „Frausein“? (Fazit)

„Frausein“ ist ein leiser, aber eindringlicher Text.

Was bleibt, ist weniger eine klare Botschaft als vielmehr ein Nachdenken über die eigene Geschichte: über Erwartungen, Prägungen und darüber, was Frausein im eigenen Leben bedeutet.

Gerade diese Offenheit macht das Buch lesenswert.


Buchdetails

Pippa Goldschmidt, Von der Notwendigkeit den Weltraum zu ordnen

Pippa Goldschmidts Buch ist eine Sammlung von 17 Kurzgeschichten, die alle einen Bezug zu astrophysikalischen Themen aufweisen. Die Spannbreite der Themen ist dabei groß.

In „Der erste Stern“ beschreibt die Autorin die Tätigkeit einer sogenannten „Rechnerin“, also einer jungen Frau, die in der Sternwarte von Edinburgh den dortigen Astronomen assistiert, indem sie anhand von Fotografien Sterne vermisst und klassifiziert, sozusagen als Buchhalterin der Sterne tätig ist. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab es viele dieser Rechnerinnen, anders jedoch als über ihre männlichen Kollegen, ist über diese Frauen wenig bekannt. Es verwundert auch nicht, dass ihre Leistung, die sie im Dienst der Wissenschaft erbracht haben, bis heute nicht ausreichend gewürdigt wurde.

Auch die nächste Geschichte „Wie korrekt muss man sein (um im Leben etwas zu erreichen)“ handelt von einer Frau, deren wissenschaftliche Leistung nicht anerkannt wird. Catherine, eine Astrophysikerin, entdeckt dass ein Asteroid nur knapp die Erde verfehlen wird. Doch im entsprechenden Paper, in dem ihr Forschungsteam die Ergebnisse zu dem Asteroiden veröffentlicht, wird ihre Leistung an der Entdeckung nicht angemessen gewürdigt. Dafür darf sie zum Fernsehinterview, das zu diesem Ereignis geplant ist. Als sie erkennt, dass sie auch für den Journalisten nur die leichte Unterhaltung am Ende der Nachrichten ist, trifft sie eine folgenschwere Entscheidung.

Dies sind nur zwei Beispiele für Erzählungen, in denen Pippa Goldschmidt Frauen und ihre Rolle im naturwissenschaftlichen Gefüge thematisiert.

Weitere Kurzgeschichten handeln von bedeutenden Physikern wie Robert Oppenheimer oder Albert Einstein sowie Alan Touring, homosexueller Informatiker, der 1952 zu chemischer Kastration verurteilt wurde und daran zerbrochen ist. „Helden und Feiglinge“ entführt die Leserinnen und Leser ins Los Angeles der McCarthy-Ära, wo Bertolt Brecht und Charles Laughton gemeinsam an der Übersetzung und der Aufführung des Theaterstücks„Das Leben des Galilei arbeiten“.

Zoë Beck, in deren Verlag Culturbooks der Titel erschienen ist, hat das Buch stilsicher und mit viel Sprachgefühl ins deutsche übersetzt.

Fazit

Pippa Goldschmidt verbindet in ihren Texten gekonnt wahre Begebenheiten aus der Welt der Naturwissenschaft mit literarischer Fiktion und weckt damit gleichzeitig das Interesse an diesen Themen und den damit verbundenen Persönlichkeiten. Durch ihre Geschichten zieht sich ein nüchterner Erzählstil, in den sich immer auch eine Spur Melancholie mischt. Auf diese Weise gelingt es ihr, die beschriebenen Figuren und Persönlichkeiten aus dem Olymp der Wissenschaft auf den Boden der Alltäglichkeit zurückzuholen, so dass die Leserinnen und Leser diesen auf Augenhöhe begegnen können.

Pippa Goldschmidt, Von der Notwendigkeit den Weltraum zu ordnen

Aus dem Englischen von Zoe Beck

Kurzgeschichten, 223 Seiten

20,00 €

ISBN: 978-3-95988-098-5

Culturbooks Verlag

2018