Archive : Culturebooks

Home > Posts tagged Culturebooks

Pippa Goldschmidt, Von der Notwendigkeit den Weltraum zu ordnen

Pippa Goldschmidts Buch ist eine Sammlung von 17 Kurzgeschichten, die alle einen Bezug zu astrophysikalischen Themen aufweisen. Die Spannbreite der Themen ist dabei groß.

In „Der erste Stern“ beschreibt die Autorin die Tätigkeit einer sogenannten „Rechnerin“, also einer jungen Frau, die in der Sternwarte von Edinburgh den dortigen Astronomen assistiert, indem sie anhand von Fotografien Sterne vermisst und klassifiziert, sozusagen als Buchhalterin der Sterne tätig ist. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab es viele dieser Rechnerinnen, anders jedoch als über ihre männlichen Kollegen, ist über diese Frauen wenig bekannt. Es verwundert auch nicht, dass ihre Leistung, die sie im Dienst der Wissenschaft erbracht haben, bis heute nicht ausreichend gewürdigt wurde.

Auch die nächste Geschichte „Wie korrekt muss man sein (um im Leben etwas zu erreichen)“ handelt von einer Frau, deren wissenschaftliche Leistung nicht anerkannt wird. Catherine, eine Astrophysikerin, entdeckt dass ein Asteroid nur knapp die Erde verfehlen wird. Doch im entsprechenden Paper, in dem ihr Forschungsteam die Ergebnisse zu dem Asteroiden veröffentlicht, wird ihre Leistung an der Entdeckung nicht angemessen gewürdigt. Dafür darf sie zum Fernsehinterview, das zu diesem Ereignis geplant ist. Als sie erkennt, dass sie auch für den Journalisten nur die leichte Unterhaltung am Ende der Nachrichten ist, trifft sie eine folgenschwere Entscheidung.

Dies sind nur zwei Beispiele für Erzählungen, in denen Pippa Goldschmidt Frauen und ihre Rolle im naturwissenschaftlichen Gefüge thematisiert.

Weitere Kurzgeschichten handeln von bedeutenden Physikern wie Robert Oppenheimer oder Albert Einstein sowie Alan Touring, homosexueller Informatiker, der 1952 zu chemischer Kastration verurteilt wurde und daran zerbrochen ist. „Helden und Feiglinge“ entführt die Leserinnen und Leser ins Los Angeles der McCarthy-Ära, wo Bertolt Brecht und Charles Laughton gemeinsam an der Übersetzung und der Aufführung des Theaterstücks„Das Leben des Galilei arbeiten“.

Zoë Beck, in deren Verlag Culturbooks der Titel erschienen ist, hat das Buch stilsicher und mit viel Sprachgefühl ins deutsche übersetzt.

Fazit

Pippa Goldschmidt verbindet in ihren Texten gekonnt wahre Begebenheiten aus der Welt der Naturwissenschaft mit literarischer Fiktion und weckt damit gleichzeitig das Interesse an diesen Themen und den damit verbundenen Persönlichkeiten. Durch ihre Geschichten zieht sich ein nüchterner Erzählstil, in den sich immer auch eine Spur Melancholie mischt. Auf diese Weise gelingt es ihr, die beschriebenen Figuren und Persönlichkeiten aus dem Olymp der Wissenschaft auf den Boden der Alltäglichkeit zurückzuholen, so dass die Leserinnen und Leser diesen auf Augenhöhe begegnen können.

Pippa Goldschmidt, Von der Notwendigkeit den Weltraum zu ordnen

Aus dem Englischen von Zoe Beck

Kurzgeschichten, 223 Seiten

20,00 €

ISBN: 978-3-95988-098-5

Culturbooks Verlag

2018